Auf Nummer sicher!

0102086947600 Die freischaffende Berliner Journalistin Sandra Harkow (Anne Ratte-Polle) arbeitet an einem Promotion-Video der Sicherheits-Industrie für eine neue Chip-Technologie, wird jedoch durch Begegnung mit einem Zeitreisenden (Bernhard Schütz) mit einem beängstigenden Zukunftsszenario konfrontiert. Sie beginnt zu recherchieren und stößt tatsächlich auf Mängel und Fragwürdigkeit bei dem Datenträger, den sie eigentlich bewerben soll.

Der Tonfall ist quasi dokumentarisch : Authentische Wortbeiträge aus der ePass-Debatte – von Schäuble und Merkel oder von bekannten Kritikern wie Professor Andreas Pfitzmann

“Die Politiker leben ganz gut damit, dass sie geschürte Ängste symbolisch bekämpfen”.

http://video.google.com/videoplay?docid=6332071704916531144
Autor Henner Schulte-Holtey und Regisseur David Dietl, beide unverbrauchte 1970er-Jahrgänge, gelingt es, die Zweifel an der Technik der Radio Frequency Identification, also an der berührungslosen Lokalisierung von Menschen und Übermittlung von Daten, zu einem plausiblen Thriller zu verdichten: Was könnte passieren, wenn der Mensch bei seinen geschäftlichen, beruflichen und privaten Handlungen digital komplett durchleuchtet wird? So dient “Auf Nummer sicher?” als kluger Anstoß zur Ausbreitung einer Debatte, die hierzulande noch gar nicht ganz ins breite öffentliche Bewusstsein vorgedrungen ist.

Beachtlich, wie viel technischer und gesellschaftspolitischer Stoff in knapp 75 Minuten filtriert wird, ohne dass die Geschichte auf der Stelle tritt.

Die allein erziehende Heldin bewegt sich, um sich und ihren Jungen durchzubringen, in der gefährlichen Grauzone zwischen Promotion und Journalismus. Ihr Vater indes rettet sich vor dem Hartz-IV-Status mit einem Job in einem Call-Center, wo er zwar 12 Stunden am Tag telefoniert, aber nicht angerufen werden darf.

Sender unter der Haut

Kommunikationsoverkill und Informationsdefizit – aus diesem Widerspruch entwickelt die Mixtur aus Pulp-Story und Zukunftsprognose eine kluge Dynamik. So muss die junge Journalistin die Botschaften in Frage stellen, an deren Verbreitung sie selbst beteiligt ist. Eine davon lautet: “Body Chip – the future in you”. Es handelt sich dabei um die Werbung eines Konzerns, der für einen in den menschlichen Körper implantierenden Datenträger wirbt, der per GPS überall auf der Welt lokalisierbar ist.

Was eigentlich für jeden mündigen Bürger die Manifestation des totalen Überwachungshorrors darstellen sollte, In einer edlen Hauptstadtdisco lassen sich die Stammgäste den Mini-Sender unter die Haut spritzen, um so vom Scanner des Türstehers in die In-Group sortiert werden zu können. In so einem Club möchte man dann lieber doch nicht Mitglied sein.



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